Sonntag, 3. Februar 2008

Laisser Des Traces ...

Kaum zu glauben, über fünf Monate bin ich nun schon in Nizza. In letzter Zeit habe ich häufig das schöne Gefühl, meine Spuren in dieser Stadt hinterlassen zu haben, nicht einfach nur "irgendjemand" zu sein, völlig belanglos, auf der Durchreise, wie Wind, ohne Eindruck auf nichts und niemanden ... Auch wenn diese Spuren flüchtig sind, nicht tief sein können nach nur fünf Monaten ohne "Verlängerung", so sind sie doch da und das ist echt ein schöner Gedanke! Wenn ich durch die Straßen gehe, dann besteht mittlerweile ein Gefühl der Vertrautheit, des Wiedererkennens, ich treffe auf Menschen, Orte, Plätze, Geschäfte, die mir etwas bedeuten, die mir bekannt vorkommen, mit denen ich mich "angefreundet" habe. Und es kommt etwas zurück. Erleichtert wird es bestimmt dadurch, das Nizza nicht gerade eine große Stadt ist. Mein "Radius", das Umfeld also, in dem ich mich täglich bewege, ist auch auf ganz bestimmte Grätzl beschränkt - und Vieux Nice ist sehr überschaubar. Alleine die Tatsache, dass ich durch die Altstadt gehe und gegrüßt werde, wow, das ist echt cool. In Wien ist das nicht so, da kennt mich die Bäckerin nicht.

Wie man merkt, bin ich gerade versucht zu resümieren, doch noch ist es ja nicht so weit, einen Rückblick auf die vergangenen Monate zu wagen. Ziemlich genau zwei Wochen habe ich noch, Ferien sozusagen, bevor der Ernst des StudentInnen-Daseins wieder auf mich wartet. Morgen kommt mich Mathias besuchen! Juhui :-)

Ich bin gerade sehr zufrieden mit meinem Leben hier. Seit meiner letzten Prüfung habe ich viel Zeit für mich, Zeit um Wanderungen zu machen, am Strand zu liegen, die Umgebung zu erkunden, meine FreundInnen zu treffen. Vor langer Zeit habe ich in einem Mail an Elke geschrieben, dass sich für mich das Savoir-Vivre à France vor allem in den zwei Begriffen "tranquille" und "doucement" ausdrückt, die hier wirklich sehr oft zum Ausdruck kommen, "ça va? - tranquille". Das Leben hat hier eine gewisse Leichtigkeit, etwas Schwebendes, etwas Dahinplätscherndes, ohne seicht oder oberflächlich zu sein, doucement, zärtlich, sanft, das drückt es irgendwie aus. Ich liebe es wirklich, auf meinem Dach zu sitzen, den fernen Geräuschen zu lauschen, so fern ab vom Rest der Welt. Das werde ich in Wien wirklich vermissen: mein Dach! Wenn ich nach rechts schaue, sehe ich das Meer, wenn ich nach links blicke, die Berge. Wahnsinn! Und in Wien habe ich die tolle Ausblick auf die gegenüberliegende Häuserfront. Quelle différence!

Das Meer ... das werde ich bestimmt auch vermissen. Einfach ein paar Minuten zu gehen und direkt am Meer zu sitzen, zu wandern, und diesen tollen Ausblick zu genießen. Warum gibt es kein Meer in Österreich?

Eine würdige Frage, um diesen Blogeintrag zu beschließen? Ich weiß es nicht. Je ne sais pas. Eines wollte ich noch schreiben - um ein bisschen anzugeben. ;-) Ich habe alle meine fünf Prüfungen hier bestanden! Ist das nicht cool? Sogar jene Prüfung, zu der ich einfach nur zum "Spass" hingegangen bin, ohne zu Lernen, um etwas über das französische Prüfungssystem herauszufinden. Und alles in allem bin ich gar nicht so schlecht, kann mithalten mit den FranzösInnen. Ob das wohl der Erasmus-Bonus ist? Irgendwie schon, irgendwie auch nicht. In Frankreich gibt es ein Punktesystem, 20 Punkte sind die Höchstzahl, die es zu erreichen gilt. Doch komischer Weise werden in den seltensten Fällen mehr als 16 bzw. 17 Punkte vergeben. Erhält jemand beispielsweise 18 Punkte, ist er/sie wirklich wirklich gut. Mit 12/13/14 Punkten liegt man wunderbar im Schnitt. Und ich hab 10 - 12 - 14 - 16 und - 18 Punkte abkassiert. Pas mal, würd ich sagen. :-) Mal schauen, was sie mir davon in Österreich anrechnen.

Bon. Ca suffit pour maintenant. À bientôt!! Bisous SARAH

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